Gedankenflug

  • Gut genug

    Vor drei Wochen habe ich ein neu­es beruf­li­ches Auf­ga­ben­feld über­nom­men. Und ste­cke noch im völ­li­gen Wust von Infor­­ma­­ti­ons-Über­­­for­­de­rung. In der weni­gen Zeit zwi­schen Auf­sau­gen und erschöpft ins Bett fal­len, klopft dann manch­mal ein altes Gefühl an und sagt: „Da bin ich wie­der“. Es ist mir so ver­traut wie mein Vor­na­me und es heißt: Nicht gut…

  • Kron­kor­ken­flug

    Das Öff­nen einer Fla­sche mit Kron­kor­ken ist zu hören, dann noch­mal und noch­mal. Es ist der Nach­rich­ten­ton mei­nes Han­dys. Ich schä­le die Kar­tof­feln zu Ende, set­ze den Topf auf den Herd und öff­ne die Nach­rich­ten. Was mir ins Auge fällt ist ein Pro­fil­bild einer ande­ren Per­son, nicht die fri­schen Nach­rich­ten. Das Bild zeigt die kolum­bia­ni­sche…

  • Es ist nicht egal.

    Mein größ­tes Pro­blem ist immer der Schlaf­man­gel. Wenn ich weni­ger als sie­ben Stun­de bekom­me, funk­tio­nie­re ich am nächs­ten Tag nicht rich­tig. Das ist schon zu Hau­se schwer genug, aber wenn ich im Som­mer mit 60 Jugend­li­chen plus Lei­tungs­team zwei Wochen unter­wegs bin, habe ich kaum eine Chan­ce auf aus­rei­chend Schlaf. An die­sem Abend will ich…

  • Ster­ne, Stri­che, Men­schen­kin­der

    Tief im Süd­wes­ten der Repu­blik, kurz vor dem ers­ten Lock­down: Als ich mit Frei­bur­ger Freun­den deren Ver­wand­te nahe der Schwei­zer Gren­ze besu­che, fällt unser Blick auf ein altes Buch, das als Deko in der Die­le liegt. Als wir es öff­nen, stau­nen wir nicht schlecht. In Schnör­kel­schrift und einem die­ser end­lo­sen baro­cken Titel ist da zu…

  • Ich ken­ne dich

    „Ich ken­ne dich.“ Nicht viel mehr Wor­te beinhal­tet dei­ne Nach­richt an mich. Und ich muss dar­an den­ken, wie oft Men­schen die­sen Satz wohl benut­zen. Oft­mals mit Häme im Sin­ne von „Ich ken­ne dich, Freund­chen“. Sel­ten beinhal­tet er Gutes. Dein Satz hin­ge­gen ist anders. Dein „Ich ken­ne dich“ sagt: Ich weiß um dich. Ich ken­ne dein…

  • Ich habe mich für die Lie­be ent­schie­den

    Ich kann­te bren­nen­de Flag­gen bis­her nur aus den Nach­rich­ten, doch die­ses Mal liegt die Fah­ne mit den zwei Brand­lö­schern hin­ter der Tafel, in einem Klas­sen­raum. Sie wur­de von der Wand geris­sen, dem Anschein nach mit einem Feu­er­zeug bear­bei­tet. Es ist mei­ne Regen­bo­gen­fah­ne – ein Geschenk eines Freun­des. Doch die Per­son, die die­se Flag­ge atta­ckiert hat,…

  • Mat­thi­as

    Ein Unfall, Auto kaputt, über­lebt. Mein Schock kommt erst danach. Als ich längst weiß, es geht dir gut, du lebst. Unver­sehrt durch ein Wun­der. Aber mein Herz bleibt ste­hen für einen Moment danach, als du fast nicht mehr da gewe­sen wärest. Denn dass du nicht mehr bist, das ist nicht vor­stell­bar. Du sollst doch eines Tages…

  • Von Asche­bü­chern und Früh­lings­zwie­beln

    Auf der Suche nach einer alten Hand­schrift sto­ße ich auf sie: die Wei­ma­rer Asche­bü­cher. So hei­ßen die ca. 25.000 Bücher­res­te, die den ver­hee­ren­den Brand der Her­­zo­­gin-Anna-Ama­­lia-Biblio­­thek im Jahr 2004 über­lebt haben – anders als die ca. 50.000 Doku­men­te, die kom­plett ver­brann­ten. Eine 2008 ein­ge­rich­te­te Werk­statt ver­sucht, die oft schwer beschä­dig­ten Asche­bü­cher in ihrem jet­zi­gen Zustand zu…