Gott* ist für mich…

von Rafał Londo

Gott* ist für mich…

von Rafał Londo

Am 28. und 29. August 2026 fand in Aachen der CSD statt. Beim Quee­ren Got­tes­dienst in der Anna­kir­che unter dem Mot­to “Ich bin hier — so gewollt” haben eini­ge der Organisator*innen sich Gedan­ken dazu gemacht, wer Gott* für die Per­son ist. Die ver­schie­de­nen Bli­cke sind hier in fünf Tex­te zum nach­le­sen und mit­neh­men ver­öf­fent­licht. (Beim öff­nen der Titel erscheint der gan­ze Text).

In jedem Moment

G*tt. Du bist bei mir. Jeden Tag. Du beglei­test mich und fängst mich auf, wenn ich fal­le.
G*tt, ich sehe Dich. In den Knos­pen der Bäu­me, die den Früh­ling ver­kün­den. In fal­len­den Regen­trop­fen, blü­hen­den Blu­men und im wach­sen­den Gras.
G*tt, ich höre Dich. Im Lachen mei­ner Liebs­ten und im Kin­der­wei­nen.
G*tt. Du bist bei mir. Jeden Tag. Du beglei­test mich und fängst mich auf, wenn ich fal­le.
G*tt, ich sehe Dich. In den Knos­pen der Bäu­me, die den Früh­ling ver­kün­den. In fal­len­den Regen­trop­fen, blü­hen­den Blu­men und im wach­sen­den Gras.
G*tt, ich höre Dich. Im Lachen mei­ner Liebs­ten und im Kin­der­wei­nen. Im Gesang der Vögel und im Rau­schen des Win­des.
G*tt, ich spü­re Dich. Du bist da, wenn ich trau­rig und ver­zwei­felt bin und schenkst mir Trost. Du bist da, wenn ich Angst vor der Zukunft habe und sen­dest mir ein Licht. Du bist da, wenn ich unter dem Ster­nen­him­mel Regen­bo­gen­mo­men­te feie­re und freust Dich mit mir.
G*tt, Du bist wie ein Hir­te, der nach mir sucht. Weil ich DIR wich­tig bin, reichst Du mir Dei­ne Hand. Du bist wie eine Ker­zen­flam­me in dunk­ler Nacht. Leuch­test mir den Weg, damit ich nicht fal­le. Du bist mir wie eine für­sor­gen­de Mut­ter. Du bleibst bei mir, auch wenn ich Dich weg­sto­ße. Du glaubst an mich, selbst wenn ich es nicht kann. Du hältst mei­ne Hand, wenn ich wei­ne. Du bist bei mir. In jeder Blu­me, in jeder Begeg­nung, in jeder Bezie­hung.
Mein G*tt, du bist im Ich, im Du, im Wir. In jedem Moment.

(Anika Mey­er)

G*tt sieht mich

„G*tt sieht mich“ – steht auf dem Kalen­der des Paten­kin­des mei­nes Herz­men­schen. Und dann sit­ze ich da und sehe dir dabei zu, wie du ihm aus der Kin­der­bi­bel vor­liest.
„G*tt sieht mich“ – den­ke ich und fra­ge mich, ob G*tt sich dar­über freut, dass die­ses Kind G*tt gera­de ken­nen­ler­nen darf. Wann habe ich G*tt eigent­lich „ken­nen­ge­lernt“?
G*tt sieht mich – mit allem, was ich bin. Mit den gro­ßen und klei­nen, den lau­ten und lei­sen Momen­ten. Mit Ängs­ten und Zwei­feln. Mit mei­nem Strau­cheln und mei­nem Ver­ste­cken. Mit Lie­be und Freu­de. Mit Trau­er, Ver­trau­en und ganz viel Suchen.
G*tt sieht mich – und manch­mal heißt es dann: die Wut, die bleibt. Auf G*tt. Auf Men­schen. Auf die Kir­che.
G*tt sieht mich – mit allem, was ich bin. Und dann sit­ze ich da und sehe dir dabei zu, wie du ihm aus der Kin­der­bi­bel vor­liest.
Und wäh­rend ich euch zuhö­re und wei­ter dar­über nach­den­ke, mer­ke ich: Aus „G*tt sieht mich“, wird „G*tt liebt mich“ – weil in dir und mir und zwi­schen uns ganz viel G*tt lebt.

(Anni­ka Burg)

all­um­fas­send

Gott hat kei­nen Kör­per und ist an kei­nem Ort, der mit einem Raum­schiff zu errei­chen oder mit einem Mikro­skop zu sehen wäre. Trotz­dem ist Gott für mich all umfas­send. Ich glau­be, Gott ist das, was Gege­ben­hei­ten wie den Urknall oder die Ent­ste­hung von Leben ins Rol­len gebracht hat. Und die­se Din­ge sind nicht aus Zufall pas­siert, son­dern mit Absicht. Auch ich bin Absicht. Gleich­zei­tig glau­be ich, dass alle Men­schen den frei­en Wil­len haben, sich für das Gute oder das Böse zu ent­schei­den. Die Absicht und freie Wil­le der Men­schen ste­hen in einem Span­nungs­ver­hält­nis, das ich nicht begrei­fen kann. Ich bin mir sicher, Gott tut es. Und ich glau­be, dass Gott an uns glaubt. In jeder neu­en Situa­ti­on, bei jeder neu­en Prü­fung, selbst wenn wir ein Leben lang schlech­te Ent­schei­dun­gen getrof­fen haben, feu­ert Gott uns an. Gott wünscht sich für uns das Gute, und wenn wir es zulas­sen, spü­ren wir Got­tes Kraft. (The­re­sia Hän­de­ler)

Ein Geist…

Wie ein Geist, der mich täg­lich beseelt

  • Wel­cher mir die Augen öff­net für Wol­ken­bil­der im Him­mel
  • Wel­cher mir ein freund­li­ches Hal­lo in den Mund zau­bert für Frem­de auf der Stra­ße
  • Wel­cher mei­ne Füße beschwingt über den Bo den glei­ten lässt — Wel­cher mein Herz auf­ge­hen lässt, wenn ich Musik höre

Ein Geist…

Wel­cher mei­ne Anspan­nung nimmt, wenn ich im Meer trei­be

  • Wel­cher mich durch Glück durch­strömt, wenn ich Blu­men in der Hand hal­te
  • Wel­cher mich zur Ruhe kom­men lässt, wenn ich Kla­vier spie­le
  • Wel­cher mich Gebor­gen­heit erfah­ren lässt, wenn ich ein­ge­ku­schelt im Bett lie­ge

Ein Geist…

  • Wel­cher Taten­drang ent­facht bei neu­en Ideen oder Pro­jek­ten
  • Wel­cher Rücken­de­ckung gibt, bei Angst
  • Wel­cher Mut zu spricht, wenn ich mich nur ver­krü­meln will
  • Wel­cher mei­ne Last mit­trägt bei Stress

Ein Geist…

  • Wel­cher mich in ver­bin­det in Grup­pen mit lie­ben Men­schen
  • Wel­cher mir ein Strah­len ins Gesicht zau­bert
  • Wel­cher mich erwärmt, wenn ich auf eine Ker­ze schaue
  • Wel­cher mir Dank­bar­keit schenkt, für mei­ne Pri­vi­le­gi­en

Ein Geist…

  • Wel­cher mir täg­lich zeigt, dass ich von dir ‑Gott*- geliebt wer­de und von unschätz­ba­rem Wert bin

(Cla­ra Min­der­jahn)

fest auf der Sei­te quee­rer Men­schen

Wenn ich an Gott* den­ke, habe ich eine gan­ze Band brei­te von Vor­stel­lun­gen im Kopf. Da ist für mich die alles umfas­sen­de Macht, die alles durch­dringt, was exis­tiert. Die unser gan­zes Uni­ver­sum mit allen Ster­nen und Pla­ne­ten ins Leben geru­fen hat, wie auch immer das von­stat­ten ging. Die mit Genia­li­tät und Zutrau­en in ihre Schöp­fung dafür gesorgt hat, dass Pflan­zen, Tie­re und Men­schen ent­ste­hen konn­ten. Die eine Welt geschaf­fen hat vol­ler Viel­falt, jen­seits aller Ein­deu­tig­keit und Bina­ri­tät, mit unvoll­stell­bar vie­len Vari­an­ten von allem, was exis­tiert. Und ja, mit Men­schen in allen ihren Facet­ten, gro­ße und klei­ne, weib­li­che, männ­li­che, inter­se­xu­el­le, tran­si­den­te, nicht-binä­re und alles dazwi­schen, homo‑, hetero‑, bi- und ase­xu­el­le, alles was in LGBTIAQ* vor­kommt und dar­über hin­aus. Die das alles mit viel Lie­be am Leben erhält und mit Segen beglei­tet. Da ist aber auch der Mensch Jesus von Naza­reth, von dem man sagt, dass er Gott* ganz nahe ist und auch uns allen als Kin­der Got­tes* die­se Nähe ver­mit­teln möch­te. Der in den Jah­ren sei­nes Wir­kens auf der Erde beson­ders für die­je­ni­gen Men­schen Par­tei ergrif­fen hat, die dis­kri­mi­niert, benach­tei­ligt oder aus gegrenzt waren. Von dem ich glau­be, dass er heu­te ganz fest auf der Sei­te quee­rer Men­schen steht, weil deren Lie­be ihm aus dem Her­zen spricht. Und zwi­schen der alles umfas­sen­den Macht und dem his­to­ri­schen Men­schen Jesus begeg­net mir Gott* in vie­ler­lei Gestalt: in ande­ren Men­schen, in der fas­zi­nie­ren­den Schön­heit und Zer­brech­lich­keit der Natur, in ergrei­fen­den Gefüh­len tief in mir drin. — Man­che nen­nen die­ses viel­fäl­ti­ge Phä­no­men Got­tes* Geist­kraft, Ruach, das Luft­brau­sen, das alles durch­weht und bewegt; das uns hilft, mit Got­tes* Schöp­fung in all ihrer Viel­falt empa­thisch ver­bun­den zu sein.

(Bernd Jant­zen)

Foto: Anni Roen­kae/pexels