Wie geht es Dir? Wie war Dein Tag?

„Wie geht es Dir? Wie war Dein Tag?“ Eine Frage, die ich seit über einem Jahr täglich (automatisiert), etwas ausführlicher auf Twitter stellen. Ich frage mit der Intention sich Gedanken über den Tag zu machen. Wer etwas schreibt, bekommt eine Antwort …Es plätscherte so vor sich hin. Anfangs gab es häufig keine Antworten. Mal drei, mal sieben. Dass es mehr als zehn waren, war selten.

Ich lernte die Leute ein bisschen kennen, Ihre Geschichten, Ihre Nöte. Es war überschaubar. Manchmal wurde es ein Privatgespräch unter vier Augen, eventuell mit Wechsel auf sichere Messenger. Ich habe über Schuld gesprochen, über Beziehungsformen, Trennungsgedanken, Wiedereintritt und vieles mehr.
Ein Twitterer mit mehr Reichweite teilte die Frage einmal am nächsten Morgen zum Testen und uns beiden war klar, wenn er das abends machen würde, bekäme ich wesentlich mehr Zulauf. Er hielt sich zurück.

Und dann kam Corona. Und er teilte die Frage mehrere Abende. Am ersten Abend wurde eine Person mit einer Reichweite von 90.000 Followern auf die Frage aufmerksam und teilte diese ebenfalls. Statt weniger als 1000 Views hatte ich auf einmal 24.000 Views und 36 Reaktionen. Weniger als drei Wochen später hatte ich zum letzten Mal weniger als zehn Antworten. Seit dem ersten Mai hatte ich nur noch zweimal weniger als 50 Antworten. (Aktueller Rekord: 96)

Aber Corona war nicht nur in den Zahlen spürbar. Ich erinnere mich an einen Freitag abend mitten im Lockdown: Da waren sie alle genervt, frustriert und müde. Der Samstag hatte gutes Wetter und abends waren die Rückmeldungen durchweg wieder positiver. Die Anfragen für private Gespräche sind auch deutlich mehr geworden. Netterweise helfen mir drei Frauen, die Antworten unter meiner Frage zu beantworten, sodass ich mir auch für zwei Private Chats parallel Zeitnehmen kann. Die Zahl meiner Follower hat sich von Ende März bis Ende Mai verdreifacht. Von Anfang an war ich als Weihekandidat, bzw. danach als Diakon erkennbar unterwegs.

Kirche bringe ich auch ins Spiel: Einmal im Monat mache ich eine Stille Anbetung und biete vorher an, Anliegen mitzunehmen. Da ergeben sich immer so drei Anliegen. Auch hier scheint es eine steigende Tendenz zu geben.

Besonders erwähnenswert ist noch eine Aktion. Ich habe mir letztes Jahr im Herbst angewöhnt in den Kirchen, in denen ich unterwegs war, mehr Kerzen zu entzünden als ich Anliegen habe. Diese habe ich fotografiert und das Foto bei Twitter hochgeladen und das Angebot gemacht, sich eine Kerze zu nehmen, wenn man ein Anliegen hat. Mal wurde keine Kerze gebraucht, zu anderen Zeiten waren fünf zu wenig. Während Corona habe ich in der Dorfkirche regelmässig Kerzen angezündet. Das wurde mir dann irgendwann zu kompliziert, da ich nie passend Kleingeld hatte und ich beschloß mir einen Karton Kerzen zu bestellen. Davon erzählte ich bei Twitter und fragte, ob jemand Kerzen sponsern möchte. Sie wollten! Ich habe dann neun Kartons (2.250 Kerzen) bestellen können.

Die abendliche Fragerunde hat eine Größe erreicht, die ich erst in zwei oder drei Jahren erwartet habe … Was daraus wird? Absolut offen, ich werde diese Runde im Rahmen des Pastoralprojektes der Diakonenausbildung reflektieren und schauen. Es gibt Ideen, und es gibt einen Traum.

Photo by Allie/Unsplash

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