Beschämt!

Nicht erst seit Studienbeginn frage ich mich, wie ich mit Bettlern aller Art umgehen soll. Ich finde keinen Weg, der mir, meinen Finanzen, meinem Gegenüber und seiner Würde gerecht wird. Wobei mir dieser Selbstversuch  zeigt, dass es wahrscheinlich gar nicht so teuer werden würde. (Darf ich hier eigentlich das Wort „teuer“ verwenden? Es geht vielleicht um Menschen, die in Not sind.)

Aber kurz vor Weihnachten fühlte ich mich beschämt. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Arbeit komme ich jeden Morgen an einem Bettler vorbei. Er steht da „pflichtbewusst“ jeden Morgen, und hält seinen Spendenbecher. Bei Kälte hat er dann oft einen Becher Kaffee dabei. Ich gebe selten etwas, habe mir aber angewöhnt zu grüßen und ihn wahrzunehmen.

Und kurz vor Weihnachten kam mir frühmorgens eine Kollegin entgegen. Erstaunlich, war das doch die falsche Richtung. Und sie erklärte mir warum: „Da vorne steht immer ein Herr, der Geld sammelt. Dem möchte ich unsere Weihnachtsplätzchen bringen, wir hatten einfach zu viel.“

„Ein Herr, der Geld sammelt.“ Diese Wortwahl ist großartig und gibt diesem Mann schon im Denken an ihn Respekt und Würde. Ich fühle mich noch immer ertappt, obwohl ich immer den Eindruck hatte, dass das Wort „Bettler“ in Ordnung wäre. Ich hoffe, ich kann mir dieses Denken auch in anderen Gelegenheiten zu Eigen machen.

Foto: Pitzer College: Mead Hall: I Want Change (CC BY 2.0)

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